Zürcher Gemeinderat beendet erste Debatten zur Siedlungsplanung

Der Zürcher Gemeinderat hat am Mittwochabend die erste Debatten-Runde zum Stadtbild-prägenden, kommunalen Siedlungsrichtplan (Slöba) beendet. Am Freitag wird das Geschäft weiterbehandelt.

Gibt es bald mehr Hochhäuser in der Stadt Zürich? Der Gemeinderat hat sich am Mittwoch dafür ausgesprochen, dass Hochhäuser über 80 Meter einfacher gebaut werden können. (Symbolbild) (FOTO: KEYSTONE/GAETAN BALLY)
Gibt es bald mehr Hochhäuser in der Stadt Zürich? Der Gemeinderat hat sich am Mittwoch dafür ausgesprochen, dass Hochhäuser über 80 Meter einfacher gebaut werden können. (Symbolbild) (FOTO: KEYSTONE/GAETAN BALLY)

Bisher hat der Gemeinderat entschieden, dass in der Stadt Zürich künftig auch Hochhäuser erlaubt werden sollen, die mehr als 80 Meter hoch sind. Bislang sind für solche Bauten - zu denen etwa der Prime Tower gehört - Sonderbauvorschriften nötig.

Hochhäuser in dieser Höhe sollen künftig in Clustern möglich sein. Dies sei besser, als sie in einer Stachelschwein-Silhouette über die ganze Stadt zu ziehen, argumentierte eine GLP-Vertreterin.

Dazu gibt es nun auch in Herdern, Grünau und auf dem ETH Hönggerberg als Quartierzentrum bezeichnete Standorte, womit im Slöba insgesamt 49 Orte als Quartierzentren ausgewiesen sind.

Heiss diskutiert wurde ein Passus bei der Freiraumentwicklung: Um genug Erholungsraum sicherzustellen, sollen im Rahmen von Werkplanverfahren auch Enteignungen möglich sein, heisst es dort. Dagegen wehrte sich die bürgerliche Ratsseite vehement, die FDP bezeichnete es gar als ihr Pièce de Résistance - scheiterte aber mit ihrem Streichungsantrag.

Hier gehts ums Eingemachte, sagte eine Parteivertreterin. Wir möchten, dass Privates privat bleibt. Es sei ein beispielloser Angriff auf die Freiheit. Die Bürgerlichen befürchteten, dass private Gärten und Dachterrassen für die Öffentlichkeit zwangsgeöffnet werden könnten.

Von der linken Ratsseite ernteten die Bürgerlichen dafür Unverständnis, dem Stadtrat würden keine neuen Rechte gewährt. Tiefbauvorsteher Richard Wolff (AL) sagte: Niemand will auf ihren Balkon. Das seien Schreckgespenster, die heraufbeschworen würden. Es gehe beim Passus um einvernehmliche Lösungen zwischen der Stadt und Privaten, wie sie bereits heute praktiziert würden.

Die FDP, SVP und GLP stellten zu Beginn der Debatte je einen Rückweisungsantrag. Davon fand keiner eine Mehrheit im Gemeinderat. Ebenso chancenlos war ein Antrag der Grünen, der ein Arbeitsplatzmoratorium für Gebiete forderte, bei denen eine sehr grosse Verdichtung angestrebt wird.

Der Stadtrat wurde allerdings mit einem Postulat beauftragt, einen Bericht zur Arbeitsplatzentwicklung bis 2040 vorzulegen. Zudem sprachen sich die meisten Gemeinderätinnen und Gemeinderäte dafür aus, den entsprechenden Richtplan mindestens alle vier Jahre einer Teilrevision zu unterziehen.

Der Slöba legt die Stadtentwicklung verbindlich bis ins Jahr 2040 fest. Dann werden in der Stadt Zürich wohl über eine halbe Million Menschen leben. Die Stadtentwicklung soll nach der Vorlage des Stadtrats umwelt-, natur- und sozialverträglich geschehen.

Der Zürcher Gemeinderat berät den Slöba am Freitag ab 17 Uhr weiter.

(sda)


Daten:

Roman Spirig
07.04.21 17:44

Themen:

Regional

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