Trump attackiert May: "Chaos" in Brexit-Verhandlungen angerichtet

Nach der deutlichen Kritik des britischen Botschafters in den USA an Donald Trump hat der US-Präsident die britische Premierministerin Theresa May hart attackiert.

Trump attackiert May: Chaos in Brexit-Verhandlungen angerichtet (Foto: KEYSTONE / EPA / OLIVER CONTRERAS / POOL)
Trump attackiert May: Chaos in Brexit-Verhandlungen angerichtet (Foto: KEYSTONE / EPA / OLIVER CONTRERAS / POOL)

Die scheidende Regierungschefin und ihre Mitarbeiter hätten beim Brexit "Chaos" angerichtet, schrieb Trump am Montag im Kurzbotschaftendienst Twitter. Am Dienstagabend stand in Grossbritannien das erste TV-Duell von Aussenminister Jeremy Hunt und seinem Amtsvorgänger Boris Johnson um Mays Nachfolge an.

Trump kritisierte Mays Brexit-Verhandlungen mit Brüssel: "Ich habe ihr gesagt, wie es getan werden sollte. Aber sie ist ihren eigenen, törichten Weg gegangen - und war unfähig, es hinzukriegen. Ein Desaster!" Dann fügte der US-Präsident hinzu, die "gute Nachricht für das wunderbare Vereinigte Königreich" sei, dass das Land "bald einen neuen Premierminister" haben werde.

Verärgert ist Trump offenbar über Mays explizites Festhalten an ihrem Botschafter in Washington. Kim Darroch geniesse weiterhin die "volle Unterstützung" der Premierministerin, erklärte ein Sprecher Mays am Montagabend. Damit bekräftigte London eine frühere Erklärung, in der sich May zwar von Darrochs Einschätzungen zu Trump distanziert hatte, nicht aber von Darroch selbst.

Die britische Zeitung "Mail on Sunday" hatte geheime Vermerke veröffentlicht, in denen Darroch Trump als "unsicher" und "inkompetent" beschrieb. "Wir gehen nicht wirklich davon aus, dass diese Regierung normaler wird; weniger dysfunktional; weniger unberechenbar; weniger gespalten; weniger diplomatisch plump und ungeschickt", schrieb Darroch demnach. London dementierte den Bericht über die Vermerke nicht.

Trump kündigte am Montag an, seine Regierung werde keinen Kontakt mehr mit Darroch unterhalten. Der Diplomat sei in den USA "nicht beliebt" und geniesse kein Ansehen. Nach Bekanntwerden von Darrochs Einschätzungen hatte Trump bereits erklärt, Botschafter Darroch habe Grossbritannien "nicht gut gedient".

Später bezeichnete er Darroch auf Twitter als "verrückten Botschafter" und als "sehr dummen Typen". Weiter schrieb der US-Präsident: "Ich kenne den Botschafter nicht, aber mir wurde gesagt, er sei ein aufgeblasener Dummkopf."

In Bezug auf Darrochs negative Einschätzung zu Trumps Regierung schrieb der US-Präsident: "Sagt ihm, die USA haben nun die beste Wirtschaft und das beste Militär auf der ganzen Welt, mit Abstand und sie werden nur grösser, besser und stärker." Die Nachricht endete mit "Danke, Herr Präsident!", womit sich Trump offenbar selbst meinte.

Der britische Aussenminister Hunt hatte sich von Darrochs Bewertungen ebenfalls distanziert. Ihre Authentizität bestritt Hunt indes nicht. Der Urheber der Veröffentlichungen solle gesucht und bestraft werden, forderte Hunt. Der diplomatische Zwist fällt in die Zeit der Vorbereitung von Gesprächen über ein Freihandelsabkommen zwischen beiden Ländern für die Post-Brexit-Ära.

Sowohl die Umsetzung des Brexits als auch die Rolle Grossbritanniens in der Welt nach einem EU-Austritt gehören zu den Themen, die am Abend Hunt und Johnson diskutieren werden. Es ist das erste TV-Duell der letzten verbliebenen Kandidaten im Rennen um den Vorsitz der konservativen Tory-Partei und damit auch um die Nachfolge Mays an der Regierungsspitze.

Der Sieger wird von den 160'000 Tory-Mitgliedern in einer Urwahl bestimmt. Johnson gilt als Favorit, Ende Juli die Regierungsgeschäfte von May zu übernehmen. Einer Umfrage des Instituts YouGov zufolge trauen die Tory-Mitglieder Johnson eher zu, die EU notfalls auch ohne Austrittsvertrag zu verlassen und so den Wählerauftrag eines raschen Brexits umzusetzen.

Die Tories hatten bei den letzten Kommunal- und Europawahlen viele Stimmen an die neue Brexit-Partei des Rechtspopulisten Nigel Farage verloren. Allerdings gilt Johnson als unberechenbar, weshalb ihm Beobachter zutrauen, sich mit unbedachten Äusserungen auf den letzten Metern noch um den Sieg zu bringen.

(sda)


Daten:

Roman Spirig
09.07.19 16:41

Themen:

International

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