Fünf Kantone - fünf unterschiedliche Spitallandschaften

In den fünf Ostschweizer Kantonen, die nun ihre Gesundheitsversorgung gemeinsam planen wollen, ist die Situation sehr unterschiedlich. Im Kanton St Gallen werden Spitalschliessungen heiss diskutiert, in Graubünden ist ein Angebot mit 11 Spitälern aktuell unbestritten.

Das Spital in Walenstadt SG ist von der Schliessung bedroht. Kommt es dazu, hätte dies Auswirkungen aus die Spitäler in Chur oder Grabs. (FOTO: KEYSTONE/GIAN EHRENZELLER)
Das Spital in Walenstadt SG ist von der Schliessung bedroht. Kommt es dazu, hätte dies Auswirkungen aus die Spitäler in Chur oder Grabs. (FOTO: KEYSTONE/GIAN EHRENZELLER)

Spitalschliessungen sind quer durch die Schweiz in verschiedenen Kantonen immer wieder ein Thema. In der Ostschweiz war es in jüngerer Vergangenheit zuerst in Appenzell Ausserrhoden der Fall. Regierung und Parlament entschieden sich aber nach kontroversen Debatten - zumindest vorläufig - für einen Erhalt.

Es ging los, als der Spitalverbund Appenzell Ausserrhoden (SVAR) für 2015 ein Defizit von 9,7 Millionen Franken bekannt geben musste. Dies hatte verschiedene Konsequenzen für das Spital in Heiden zur Folge. Es gab einen Stellenabbau, Leistungen wie die Chirurgie wurden an die private Hirslanden-Klinik am Rosenberg ausgelagert. Vorübergehend musste die Ausserrhoder Regierung Staatsbeiträge in der Höhe 2,5 Millionen Franken einschiessen.

Die Massnahmen zeigten Wirkung. 2018 lag das Defizit noch bei 0,7 Millionen Franken. Die Zahlen für 2019 sind noch nicht bekannt. Momentan scheint das Spitalthema in Ausserrhoden weniger virulent zu sein als in den Jahren zuvor.

In einer ganz anderen Situation ist Appenzell Innerrhoden. Dort gibt es zwar Zweifel an der Wirtschaftlichkeit eines geplanten Neubaus für ein ambulantes Versorgungszentrum samt stationärer Abteilung mit 18 Betten. Die Landsgemeinde hat das Projekt 2018 aber bewilligt. Weil seither Zahlen eine eher negative Entwicklung aufzeigten, überprüfte die Standeskommission (Regierung) das Vorhaben nochmals. Ende Januar 2020 kam sie zum Schluss, das 37 Millionen Franken teure Projekt definitiv umzusetzen.

Eine Zusammenarbeit, wie sie jetzt für fünf Kantone angedacht wird, gibt es in der Ostschweiz bereits ansatzweise: Nämlich zwischen dem Kantonsspital Glarus, dem Landesspital Liechtenstein sowie dem Kantonsspital Graubünden. Sie sieht zusammengefasst so aus, dass schwere oder komplexe Fälle von Glarus oder Vaduz nach Chur verlegt werden.

Die gleiche Zentrumsfunktion hat das Spital in Chur auch innerhalb Graubündens. Die schwierige Geografie des Kantons bedingt ein dezentrales Versorgungsnetz.

Es gibt deshalb ausserhalb von Chur zusätzlich zehn kleinere und grössere Regionalspitäler: Vom Spital Davos über das Ospidal Scuol bis zum Center da sandà Val Müstair. Sie decken die Grundversorgung ab und sind mit einem unterschiedlich grossen stationären Angebot ausgestattet. Einige wenige Betten gibt es überall.

Der Kanton besitze kein einziges Spital, erklärt Rudolf Leuthold, Leiter des Gesundheitsamtes, gegenüber Keystone-SDA eine der Besonderheiten. Alle Spitäler würden durch Stiftungen getragen.

Die Kliniken finanzieren sich aus den 55 Prozent der Behandlungskosten, die der Kanton an stationäre Behandlungen zahlt, dazu kommen Beiträge für Lehre und Forschung sowie Abgeltungen aus den gemeinwirtschaftlichen Leistungen. Die Gesamtplanung liegt beim Kanton: Aufgrund von regelmässigen Evaluationen würden Leistungsverträge vergeben, so Leuthold.

Einfluss auf die Patientenströme in Richtung des Spitals in Chur hat die Entwicklung im Kanton St. Gallen. Dabei geht es vor allem um das von der Schliessung bedrohte Spital Walenstadt, dessen Patientinen und Patienten nach Grabs - oder eben nach Chur - wechseln könnten.

Mehr Klarheit über die Zukunft der einzelnen St. Galler Spitäler gibt es bereits am Donnerstag. Dann stellt die St. Galler Regierung ihren definitiven Vorschlag für die künftige Spitalstrategie vor.

Der Entwurf vor der Vernehmlassung sah die Schliessung von fünf der neun Spitäler vor. In Altstätten, Flawil, Rorschach, Walenstadt und Wattwil soll es nur noch Gesundheits- und Notfallzentren (GNZ) mit einigen wenigen Betten geben, die teilweise aus den gemeinwirtschaftlichen Leistungen finanziert würden.

Die grossen Abwesenden beim Ostschweizer Zusammenschluss sind der Kanton Thurgau, dessen zwei Spitäler unbestritten sind und auch rentabel betrieben werden, sowie das Fürstentum Liechtenstein, dessen Stimmberechtigten erst kürzlich einen Spitalneubau beschlossen haben.

(sda)


Daten:

News Redaktion
26.02.20 12:22

Themen:

Schweiz

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