Fragen an den Kanton zu früheren Tests im Versuchsstollen Hagerbach

Im Versuchsstollen Hagerbach in Flums ist bis 2012 das Löschen von brennenden Autos geübt worden. Wegen des giftigen Rauchs habe der Kanton ab 2005 den Einbau einer Filteranlage verfügt, dies aber nie durchgesetzt, heisst es in einem neuen Vorstoss aus dem St. Galler Kantonsrat.

Das Löschen von brennenden Autos in einem Tunnel muss von Feuerwehren trainiert werden können. Im Bild eine Übung im Zürcher Uetlibergtunnel. (Symblbild) (FOTO: KEYSTONE/ALESSANDRO DELLA BELLA)
Das Löschen von brennenden Autos in einem Tunnel muss von Feuerwehren trainiert werden können. Im Bild eine Übung im Zürcher Uetlibergtunnel. (Symblbild) (FOTO: KEYSTONE/ALESSANDRO DELLA BELLA)

Das Thema ist nicht neu, die kritisierten Vorgänge liegen schon länger zurück. Der Vorstoss, der Auskünfte von der St. Galler Regierung verlangt, stammt allerdings aus der Junisession. Im Zentrum der Geschichte stehen Tests, die bis 2012 im Versuchsstollen Hagerbach, einem kilometerlangen Tunnelsystem im Kieselkalk bei Flums, stattfanden.

Feuerwehren aus der Schweiz und aus dem Ausland trainierten dort jahrelang das Löschen von brennenden Fahrzeugen unter erschwerten Bedingungen. Auslöser dieser Übungen waren die schweren Tunnelbrände von 1999 im Mont Blanc und von 2001 im Gotthard.

Beim Brand eines Autos entwickelt sich Rauch, der giftige Stoffe enthält. Anzunehmen ist, dass die Feuerwehrleute mit Atemschutzmasken ausgerüstet waren. Im Vorstoss der beiden Mitglieder der SP-Fraktion Bernhard Hauser und Katrin Schulthess geht es denn auch mehr um die Auswirkungen, die der Rauch auf die Umgebung des Tunnelsystems hatte.

Ende 2004 habe das kantonale Amt für Umwelt (AfU) verfügt, dass im Stollen eine Rauchgasfilterungsanlage eingebaut werden müsse. Dazu habe es eine Frist bis spätestens 2007 gegeben. Diese Verfügung sei aber bis 2012 nicht durchgesetzt worden, heisst es in der Interpellation. Bilder und Videos aus jenen Jahren zeigten dies.

Bis wann Autos angezündet worden sind, ob diese zuvor ausgeschlachtet wurden und ob nicht ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr Fahrzeuge, sondern Heptan in Fässern in Brand gesetzt wurde, scheint allerdings unklar zu sein.

2016 porträtierte die Zeitschrift "Beobachter" einen Mann, der in der Nähe des Stollens gewohnt hatte und 2010 an Sarkoidose erkrankt war. Das ist eine Krankheit, die nach 9/11 bei einer "auffällig hohen Zahl der New Yorker Feuerwehrleute" festgestellt worden sei, wie der "Beobachter" schrieb. Im Artikel erklärte der Mann, dass er nicht beweisen könne, dass die Feuerwehrübungen im Stollen etwas mit seiner Krankheit zu tun hätten, dass er aber diesen Verdacht habe.

Dieser Mann habe sich bei ihnen gemeldet, weil sie und Bernhard Hauser das Thema Gesundheit und Rauchentwicklung bei der Firma Flumroc angegangen seien, erklärte Karin Schulthess auf Anfrage von Keystone-SDA. Natürlich liege der Fall in der Vergangenheit. "Wir erachten es aber als unzulänglich, wenn ein Amt seine Aufsichtspflicht verletzt." Der Mann leide heute noch.

Es gehe um die Menschen, die nicht unmittelbar beim Geschehen vor Ort gewesen seien, sondern im erweiterten Gefahrenbereich, ergänzte Bernhard Hauser. Von dort sei zu wenig bekannt, wie gut oder schlecht diese Personen vor Gefahren geschützt gewesen seien. Dies gelte vor allem für die nähere Zone ausserhalb des Stollens, aber in Reichweite der Ablüfte.

Die Regierung muss nun unter anderem erklären, ob die Verfügungen und Kontrollen durch das Amt für Umwelt in den Jahren bis 2012 ausreichend gewesen sind, um die Risiken von gesundheitlichen Gefährdungen für Mensch, Tier und Pflanzen auszuschliessen. Weiter wird nach den Ergebnissen der damaligen Emissionsmessungen gefragt.

Zudem soll die Regierung erklären, wieweit "Ablüfte gelegentlicher Brände und Löschungen von Altautos" zu einer erhöhten Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung an Sarkoidose führen könnte.

(sda)


Daten:

News Redaktion
23.06.22 14:43

Themen:

Schweiz

Teilen:

Das könnte Dich auch interessieren

Stadtparlament fordert Untersuchung zum Asyl-Jugendheim Lilienberg

Stadtparlament fordert Untersuchung zum Asyl-Jugendheim Lilienberg

Helvetia-Chef rechnet mit steigenden Versicherungsprämien

Helvetia-Chef rechnet mit steigenden Versicherungsprämien