Emotionaler 19. Grand-Slam-Titel von Nadal

Rafael Nadal triumphiert zum vierten Mal am US Open und steht nun bei 19. Grand-Slam-Titeln - noch einen hinter Roger Federer. Doch was für ein Kampf war das gegen Daniil Medwedew. Nadal brauchte den letzten Tropfen Energie.

Emotionaler 19. Grand-Slam-Titel von Nadal (Foto: KEYSTONE / AP / Eduardo Munoz Alvarez)
Emotionaler 19. Grand-Slam-Titel von Nadal (Foto: KEYSTONE / AP / Eduardo Munoz Alvarez)

"Was für ein Privileg", meinte ESPN-Kommentator und Tennislegende John McEnroe nach dem fast fünfstündigen, epischen Duell zwischen Nadal und Medwedew. "Und das, nachdem wir schon in Wimbledon verwöhnt worden waren." Tatsächlich zeigten der 33-jährige Spanier und der zehn Jahre jüngere Russe vor über 23'000 Zuschauern den zweiten elektrisierenden Grand-Slam-Final in Folge nach Novak Djokovic und Roger Federer in Wimbledon.

Nadal führte gegen den Aufsteiger des Sommers mit 2:0 Sätzen und einem Break, ehe aus einem langweiligen ein aufregender Final wurde. Am Ende setzte sich nach fast fünf Stunden aber dennoch der Favorit mit 7:5, 6:3, 5:7, 4:6, 6:4 durch. "Das war der Wahnsinn", war Nadal des Lobes voll. "Es ist unglaublich, wie Daniil gekämpft und wieder den Rhythmus gewechselt hat." Mental und physisch sei dies ein äusserst harter Match gewesen. "Aber er hat gespielt wie ein Champion. Er wird noch viele Chancen bekommen."

Die Gegenwart gehört aber einmal mehr Nadal - auch, weil Medwedew, die neue Nummer 4 der Welt, in seinem ersten Grand-Slam-Final zu vorsichtig begonnen hatte und den favorisierten Nadal lange nicht aus der Reserve locken konnte. Erst ab dem dritten Satz begann der Bezwinger von Stan Wawrinka im Viertelfinal mehr Risiken einzugehen. Er rückte öfter ans Netz vor und kam nun trotz der defensiven Stärke seines Gegners auch zu vielen direkten Gewinnschlägen.

Vor allem aber hätte er Nadal am Ende beinahe mit dessen eigenen Waffen geschlagen. Denn obwohl Medwedew bis zum Final drei Stunden länger auf dem Platz gestanden hätte, stand er dem Spanier in nichts nach, wenn es darum ging, auch scheinbar unmögliche Bälle noch zu erlaufen und damit etwas Gescheites anzufangen.

Im fünften Satz zahlte sich die grössere Frische - und vielleicht auch die grössere Routine - doch noch aus, obwohl auch Nadal vom intensiven Kampf gezeichnet war. Die Geschichte des dritten Satzes wiederholte sich nicht, obwohl der Russe nach einem 2:5-Rückstand nochmals eine Chance hatte, um auf 5:5 heranzukommen.

Nadal hat nach seinem 19. Grand-Slam-Titel, dem zweiten in diesem Jahr nach jenem im French Open, erstmals in seiner Karriere nur noch einen Sieg weniger als Roger Federer. Und er hat auch beste Chancen, das Jahr zum fünften Mal als Nummer 1 zu beenden und in dieser Kategorie zu Novak Djokovic und Federer aufzuschliessen. Im Jahresranking weist Nadal fast 2000 Punkte Vorsprung auf Djokovic und gut 3700 auf Federer auf. Für den Moment genoss er aber einfach den US-Open-Titel: "Dieser Pokal bedeutet mir alles", sagte er.

Aber auch Daniil Medwedew hinterliess in New York eine eindrückliche Visitenkarte. Nachdem er bereits den ganzen Sommer von Sieg zu Sieg geeilt war, überzeugte der 23-jährige Russe auch auf der grössten Bühne auf der ganzen Linie und qualifizierte sich als vierter Spieler nach Djokovic, Nadal und Federer für die ATP Finals. Keiner vor ihm aus dem "Next-Gen"-Feld war so nahe dran, die grossen drei zu entthronen. Es dürfte nicht die letzte Chance für Medwedew gewesen sein.

Nachdem er sich in den frühen Runden noch mit dem New Yorker Publikum angelegt hatte, gewann er nun viel Respekt - und sogar Liebe - zurück. Er gab diese mit einer Geste zum Herzen noch so gerne zurück. Bevor die Pokale übergeben wurden, liefen über die Gross-Leinwand des Arthur Ashe Stadium Bilder von Nadals 19 Grand-Slam-Titeln. "Was sie wohl gezeigt hätten, wenn ich gewonnen hätte", fragte Medwedew schmunzelnd.

Wirklich an den Sieg geglaubt hatte er im dritten Satz allerdings selber nicht mehr. "Ich habe mir schon überlegt, was ich an der Siegerehrung sagen würde", gab der grossgewachsene und - wenn er will - charmante und eloquente Russe zu. "Ich wollte aber wenigstens für euch kämpfen. Dank eurer Energie ist mir das gelungen." Den Satz hatte er eine Woche zuvor ironisch gebraucht und war ausgepfiffen worden. Diesmal kam er von Herzen.

(sda)


Daten:

Roman Spirig
09.09.19 08:29

Themen:

Sport

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