Zweites Wolfsrudel im Kanton Waadt nachgewiesen

Der Wolf breitet sich auch in der Romandie weiter aus. Im Kanton Waadt hat sich im vergangenen Sommer ein zweites Rudel etabliert. Wegen vermehrter Nutztierrisse will der Kanton nun auch erwachsene Wölfe abschiessen.

In diesem Jahr hat ein zweites Wolfspaar im Kanton Waadt Nachwuchs gezeugt. Somit streifen zwei Wolfsrudel im Waadtländer Jura umher. Im Bild Jungwölfe in einem Zoo. (Symbolbild) (FOTO: Keystone/WALTER BIERI)
In diesem Jahr hat ein zweites Wolfspaar im Kanton Waadt Nachwuchs gezeugt. Somit streifen zwei Wolfsrudel im Waadtländer Jura umher. Im Bild Jungwölfe in einem Zoo. (Symbolbild) (FOTO: Keystone/WALTER BIERI)

Die Präsenz des Rudels in der Region Risoud im Vallée de Joux im Waadtländer Jura sei bestätigt worden, nachdem in der Gegend ein Jungtier beobachtet worden sei, teilte der Kanton Waadt am Freitag mit. Der Welpe tappte in eine Fotofalle der Fachstiftung Kora für Raubtierökologie und Wildtiermanagement, die das Wolfsmonitoring im Kanton zusammen mit dem Behörden durchführt.

Laut Kora werden neue Rudel im Spätsommer und Frühherbst entdeckt. Dann sind die Jungen mit den Adulttieren unterwegs und können so zum Beispiel durch Fotofallen nachgewiesen werden.

Die Zusammensetzung des neuen Waadtländer Rudels ist noch nicht bekannt. Es gibt ein Weibchen und ein Männchen und mindestens ein Junges. Auf den Fotos sehen wir jedes Mal ein einzelnes Jungtier, aber es könnten auch mehr sein, sagte Sébastien Beuchat, Direktor des Waadtländer Amtes für Natur, der Nachrichtenagentur Keystone-SDA auf Anfrage.

Aufgrund der Nähe zur Grenze wurden auch die französischen Wildtierbehörden informiert. Somit könne das Rudel koordiniert überwacht und seine Zusammensetzung dokumentiert werden. Aus dem Gebiet des neuen Rudels im Risoud-Massiv sind bislang keine Angriffe auf Nutztiere gemeldet worden.

Anders sieht es beim anderen, seit 2019 nachgewiesenen Wolfsrudel in der Region des Marchairuz-Passes aus - das erste seit 150 Jahren im Kanton Waadt. Ende August hatte das Bundesamt für Umwelt (Bafu) den Abschuss von zwei Jungwölfen dieses Rudels bewilligt, nachdem in der Region mehrere Viehherden von den Raubtieren angegriffen worden waren.

Es war das erste Mal, dass der Kanton Waadt grünes Licht erhielt, um solche Regulierungsabschüsse durchzuführen. Nach Angaben des Kantons wurden diesen Sommer elf Rinder und vier Ziegen im Waadtländer Jura gerissen. Bislang sind die Jungwölfe nicht erlegt worden. Die Abschussbewilligung gilt bis zum 31. März.

Das Waadtländer Umweltdepartement orientierte in der Medienmitteilung über weitere geplante Schutzmassnahmen für Nutztiere. Künftig möchten die Waadtländer auch ältere Wölfe ins Visier nehmen. Der Kanton werde beim Bundesamt für Umwelt ein entsprechendes Gesuch einreichen.

Die Gruppe Wolf Schweiz (GWS) befürwortet die Regulierung von besonders schadenstiftenden Wolfsrudeln gemäss der geltenden eidgenössischen Jagdgesetzgebung. Diese setze aber richtigerweise einen sehr engen Rahmen für den Eingriff gegen ältere Wölfe in Rudeln, sagte GWS-Präsident David Gerke, gegenüber Keystone-SDA. Ob die Bedingungen dafür aktuell erfüllt seien, könne er nicht sagen. Es sei Sache des Bundes, dies zu beurteilen.

Als weitere Massnahme setzt der Kanton Waadt auf einen gezielteren Herdenschutz. Er will in Zusammenarbeit mit den Tierhaltern während den nächsten Wochen eine Risikoanalyse der jurassischen Bergweiden durchführen.

(sda)


Daten:

News Redaktion
24.09.21 12:06

Themen:

Schweiz

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