Chlorothalonil-Grenzwert wird in vielen Gemeinden überschritten

Im Kanton Zürich haben zwanzig Prozent der Trinkwasser-Verteilnetze zu hohe Werte an Chlorothalonil-Rückständen. Dieses Wasser zu trinken ist gemäss Kanton aber ungefährlich, weil der Grenzwert von 0,1 Mikrogramm pro Liter sehr tief angesetzt ist.

Fungizide mit dem Wirkstoff Cholorothalonil wurden seit den 1970er-Jahren grosszügig auf Schweizer Äckern versprüht. Seit Anfang diesen Jahres ist der Einsatz von Cholorothalonil verboten. (Symbolbild) (FOTO: KEYSTONE/CHRISTIAN BEUTLER)
Fungizide mit dem Wirkstoff Cholorothalonil wurden seit den 1970er-Jahren grosszügig auf Schweizer Äckern versprüht. Seit Anfang diesen Jahres ist der Einsatz von Cholorothalonil verboten. (Symbolbild) (FOTO: KEYSTONE/CHRISTIAN BEUTLER)

Das Trinkwasser im Kanton Zürich ist von guter Qualität. Es kann bedenkenlos getrunken werden, sagte Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli (SVP) am Dienstag vor den Medien. Die Menge an Chlorothalonil-Rückständen im Trinkwasser entspreche einem Würfelzucker verteilt auf zwölf olympische Schwimmbecken.

Die Verunreinigung stamme von Pflanzenschutzmitteln aus der Landwirtschaft und der Gärtnerei. Mit dem Finger zu zeigen und Schuldige zu suchen, sei aber nicht zielführend, sagte Rickli. Die Bauern hätten lediglich Mittel verwendet, die zugelassen gewesen seien.

Der Einsatz des wahrscheinlich krebserregenden Fungizid-Wirkstoffs Chlorothalonil ist seit Anfang dieses Jahres verboten. Der Wirkstoff wurde seit den 1970er Jahren grossflächig in der Schweizer Landwirtschaft eingesetzt. In mehr als der Hälfte der Kantone ist die Grundwasser-Qualität heute deswegen erheblich beeinträchtigt.

Grundwasser sei aber nicht gleich Trinkwasser, betonte Baudirektor Martin Neukom (Grüne). Das Trinkwasser setze sich zusammen aus mehreren Quellen. Durch Mischen des Wassers könnten die Werte tief gehalten werden. In den Seen etwa sei die Konzentration der Chlorothalonil-Rückstände gering.

Dass bei 60 Prozent des untersuchten Grundwassers der Grenzwert von 0,1 Mikrogramm überschritten werde, sei kein Grund zum Alarmismus, so Neukom weiter. Die Überschreitungen seien oft nicht erheblich.

Klar sei aber, dass man etwas tun müsse. Solche Stoffe haben im Wasser nichts verloren. Allerdings könne man eine Reduktion im Grundwasser nur durch Prävention erreichen. Wenn die Pestizide erst mal im Wasser seien, kriege man diese nur schwierig wieder raus.

Kantonschemiker Martin Brunner wies darauf hin, dass die Reduktion der Rückstände ein längerer Prozess sei. Auswirkungen zeigten sich frühestens in einige Monaten, wahrscheinliche erst in ein paar Jahren. Das macht die Sache komplizierter.

Verunreinigungsquellen, aus denen nach wie vor legale Pestizide ins Grundwasser gelangen, sind etwa Waschplätze, an denen die Bauern ihre Geräte reinigen oder defekte Spritzen, die zu viel Pestizide versprühen.

Der Bauernverband stellte in einer Mitteilung klar, dass die Landwirte mit Chlorothalonil ein Mittel eingesetzt hätten, das laut Behörden unbedenklich gewesen sei. Die Zulassungsbehörde trage somit die Verantwortung für allfällige Nebenwirkungen. Die Landwirte hätten kein Interesse daran, ein Mittel einzusetzen, das die Gesundheit der Umwelt beeinträchtige.

(sda)


Daten:

News Redaktion
15.09.20 10:11

Themen:

Schweiz

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