Cannabis laut einer Lausanner Studie weniger rentabel als Kokain

Cannabis bringt weniger Geld ein als Kokain. Eine interdisziplinäre Studie im Auftrag des Kantons Waadt zeigt, dass Cannabis zwar am weitaus meisten konsumiert wird. So viel Geld wie mit Kokain wird mit der Substanz aber nicht umgesetzt.

Cannabis laut einer Lausanner Studie weniger rentabel als Kokain (Foto: KEYSTONE / AP The Canadian Press / CHRISTOPHER KATSAROV)
Cannabis laut einer Lausanner Studie weniger rentabel als Kokain (Foto: KEYSTONE / AP The Canadian Press / CHRISTOPHER KATSAROV)

Im Kanton Waadt werden mit Cannabis jährlich zwischen 32 und 46 Millionen Franken umgesetzt; die Gewinne belaufen sich auf 20 bis 30 Millionen Franken. Das zeigt die von Sucht Schweiz, dem Institut für Kriminologie der Universität Lausanne und Unisanté erstellte und am Donnerstag veröffentlichte Studie. Die Kokain-Verkäufe wurden in einer früheren Studie auf 47 bis 57,4 Millionen Franken geschätzt.

Gestützt auf die Zahlen der Waadt rechneten die Forschenden Umsätze und Gewinn für den Schweizer Markt hoch. Sie kamen auf einen Umsatz von 340 bis 500 Millionen und Gewinne einer Grössenordnung zwischen 220 und 325 Millionen Franken. Der Befund ist unerwartet.

"Wir dachten, dass der Cannabis-Markt der grösste sei", sagte Frank Zobel, Vizedirektor von Sucht Schweiz, der Nachrichtenagentur Keystone-SDA auf Anfrage. Der Umsatz mit Cannabis sei zwar kleiner als jener mit Kokain, aber höher als jener mit Betäubungsmitteln wie etwa Heroin, Ecstasy oder Amphetaminen.

Beim Volumen liegt Cannabis weit vorn. Allein in der Waadt dürften gemäss Schätzungen jedes Jahr zwischen 3,5 und 5,1 Tonnen konsumiert werden, was in etwa 50'000 gerauchten Joints pro Tag entspricht. Diese Menge entspricht dem Vier- bis Siebenfachen des Volumens aller anderen Betäubungsmittel zusammen.

In der ganzen Schweiz dürften jährlich 40 bis 60 Tonnen Cannabis konsumiert werden. Das sind nach Angaben der Studienautoren weniger als die bisweilen genannten 100 Tonnen.

Der Cannabis-Markt sei bunt zusammengewürfelt und eine wahre Fundgrube, stellen die Studienautoren weiter fest. "Man findet alles", sagt Zobel dazu.

Zum Beispiel sei importiertes Haschisch zurück im Markt, nachdem es in den neunziger Jahren von lokal produziertem Marihuana verdrängt worden war. "Dieses Haschisch kommt praktisch ausschliesslich aus Marokko", sagt Zobel. Die dortigen Produzenten seien auf andere Pflanzen umgestiegen, um Produkte mit mehr THC anbieten zu können.

Zobel hat zudem eine neue Mischung auf den Schweizer Markt festgestellt. Es handelt sich um illegales Cannabis mit hohem THC-Gehalt, gestreckt mit legalem CBD-Hanf. Als Grund für das Auftauchen einer derartigen Mischung wird der Preissturz auf dem legalen Markt genannt.

Gemäss der Studie wird der Waadtländer Cannabis-Markt und ebenso der schweizerische von stark Konsumierenden - sie machen 9 Prozent aller Konsumierenden aus - in Schwung gehalten. Die Hälfte des Verbrauchs geht auf diese Konsumenten zurück. Regelmässig ist der Konsum ab 20 oder mehr Tagen in einem Monat.

In der Waadt gibt es 5000 bis 7000 stark Konsumierende. Sie geben für Cannabis im Mittel 314 Franken im Monat aus. Menschen, die Heroin konsumiert haben oder dies noch tun, spielen ebenfalls eine wichtige Rolle im Cannabis-Markt. Sie verbrauchen rund ein Zehntel des Volumens, machen aber nur 1 bis 2 Prozent aller Cannabis-Konsumenten aus.

Das interdisziplinäre Forschungsteam hat vor dem Cannabis auch den Heroin- und den Stimulanzienmarkt in der Waadt untersucht. Die Studien würden helfen, das Umfeld besser zu verstehen, in dem Konsumenten von Drogen verkehrten und Klischees aufzubrechen, sagte Zobel. Für die Studien wurden Abwässer untersucht und Interviews mit Konsumenten und Polizeiangehörigen geführt.

Sucht Schweiz unterstützt nach Angaben von Zobel Pilotversuche, mit denen der Cannabis-Konsum besser gelenkt werden kann. "Die Prohibition funktioniert nicht sehr gut. Man muss anderes ausprobieren, um namentlich junge Leute zu schützen", sagte er. Nötig sei eine intelligente Regulierung.

(sda)


Daten:

Roman Spirig
23.01.20 05:57

Themen:

Schweiz

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