Beschuldigter am Bezirksgericht Bülach fabuliert von Serbenmafia

Im Prozess um zwei Morde vom Frühling 2016 hat am Montag vor dem Bezirksgericht Bülach die Hauptverhandlung gegen die drei Beschuldigten begonnen. Befragt wurde als erster der mutmassliche Haupttäter. Er fabulierte eifrig, wirkte aber nicht glaubwürdig.

Beschuldigter am Bezirksgericht Bülach ZH fabuliert von Serbenmafia
Beschuldigter am Bezirksgericht Bülach ZH fabuliert von Serbenmafia

Alle drei Beschuldigten machen einen properen, biederen Eindruck. Der 29-jährige mutmassliche Haupttäter erschien in violettem Hemd und dunkler Hose, trug eine dunkel umrandete Brille und kurz geschnittene Haare. Er stellte sich als unbedarften und überdies schwer kranken Menschen dar. Er leidet an Diabetes.

Dass die Tötung der beiden Opfer geplant war, stritt der Mann vehement ab. Beim einen Opfer sei es nur darum gegangen, Informationen über Geld und Drogen zu bekommen. Zudem habe man seine Autos in Besitz nehmen und später weiterverkaufen wollen. Beim zweiten Opfer sei die Absicht einzig gewesen, in den Besitz von dessen Lastwagen zu kommen - ebenfalls zum Zweck eines späteren Verkaufs.

Hinter allem sei "die Serbenmafia" gestanden, bei der er Schulden gehabt habe, beteuerte der Mann. Nur auf deren Geheiss und unter der Drohung, sonst selbst getötet zu werden, habe er den Drogenhändler und den Lastwagenbesitzer getötet.

Laut Anklageschrift hatte er den beiden Mund und Nase zugeklebt, so dass sie qualvoll erstickten. Er selbst habe die Tötungen niemals gewollt: "Ich bestreite definitiv die Tötungsabsicht".

Der Beschuldigte schilderte detailreich Nebensächliches. Immer wieder begann er seine Ausführungen mit Wendungen wie "Also, das ist so...", oder er antwortete auf Vorhalte des Richters mit "Das ist korrekt". Kam allerdings Entscheidendes zur Sprache, so hiess es häufig: "Ich kann mich gerade nicht mehr erinnern...".

In seinen Voten widersprach er immer wieder eigenen früheren Aussagen, Angaben der beiden Mitbeschuldigten oder auch eigenen Äusserungen, die er am Montag kurz zuvor gemacht hatte.

Am Nachmittag geht die Befragung des 29-Jährigen weiter. Aus den Zuschauerreihen verfolgten - flankiert von Polizisten - die beiden anderen Beschuldigten den Prozess. Die Befragungen der gleichaltrigen Ehefrau und eines 36-jährigen Kollegen folgen später.

Der Prozess ist auf vier Tage angelegt. Nach der heutigen Verhandlung geht es am Dienstag und dann an den beiden kommenden Montagen weiter. Wegen des grossen Publikumsaufkommens wird die Verhandlung per Video in einen anderen Raum übertragen.

(sda)


Daten:

Roman Spirig
09.09.19 13:17

Themen:

Regional

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